2013 wird „Disruption“ keine zwei Dutzend Mal in den großen deutschen Printmedien erwähnt. Ein Jahr später steigt die Anzahl auf 66. 2015 sind es schon 205 und der Begriff steigt auf zum Wirtschaftswort des Jahres. Heute ist Disruption in aller Munde. Guten Appetit!
2. DEFINITIONEN
GAR NICHT, EIN BISSCHEN UND GANZ
In|kre|men|tel|le In|no|va|ti|on: die kontinuierliche Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Im besten Fall entwickelt sich daraus im Laufe der Zeit eine Marktführerschaft.
Disruptionen grenzen sich von kontinuierlichen Innovationen ab. Diese orientieren sich an der Weiterentwicklung bestehender Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse, um zum Beispiel Kundennutzen, Wirtschaftlichkeit und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Disruptionen stellen bestehende Märkte dagegen grundlegend in Frage und zerstören sie im Erfolgsfall. Das Gegenteil ist Sustaining: das Bewahren von Erfolgsmodellen. Auch das kann funktionieren. Das wohl älteste deutsche Markenprodukt „Eau de Cologne“ wird seit über 300 Jahren nach der unveränderten Originalrezeptur hergestellt. Immerhin gut 150 Jahre alt ist Bullrich-Salz, über hundert Jahre Coca-Cola.

1. VOM WESEN DER DISRUPTION

AM ANFANG STEHT DAS ENDE

Im Jahr 2000 meldet Kodak wiederholt einen Umsatzrekord im Bereich Fotofilm. Zwölf Jahre später ist das Unternehmen insolvent. 2006 kommt jedes zweite Handy aus Finnland, aktuell ist es nur noch jedes Hundertste. Max Grundig war unangefochten der Bild- und Tonmeister des Wirtschaftswunders. Heute liegen seine Markenrechte bei der türkischen Koç Holding. Kodak, Nokia, Grundig – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Disruptive Produkte, Märkte oder Geschäftsmodelle sind dadurch gekennzeichnet, dass sie den Status Quo durch einen radikal neuen Ansatz ersetzen. Schmerzhaft für die Verlierer, bereichernd für die Gewinner. Dabei ist die Geschichte der Disruption so alt wie die Menschheit. Der erste Benutzer eines Faustkeils konnte sich nehmen, was er wollte. Fast so wie heutzutage Jeff Bezos; der Erfinder von Amazon und zweitreichster Mann der Welt (nach Herrn Gates, der aber bestenfalls innovativ und niemals disruptiv vorging). Vom Batterietest bis zur Blockchain: Hier folgen 20 disruptive Exkurse.

Dis|rup|tion: eine bahnbrechende Innovation, die ein bestehendes Geschäftsmodell innerhalb kurzer Zeit vollständig vom Markt verdrängt.

 

3. ALLES BLEIBT ANDERS: THE NEXT BIG THINGS

Die Mobilitäts-Flatrate

Mit dem autonom fahrenden Taxi zum Bahnhof. Dann den Zug in die Innenstadt, E-Bike bis zum Büro. Bei schönem Wetter am Wochenende ein Cabrio, davor den Kombi für den Familieneinkauf. So ungefähr könnte sich der Nutzer einer Mobilitäts-Flatrate in Zukunft bewegen. Forscher schwärmen von den Möglichkeiten: weniger Unfälle, weniger Fahrzeuge, weniger Staus. Und weniger Kosten: Die Befürworter rechnen vor, dass solche Konzepte nur die Hälfte der 500 Euro kosten, die wir monatlich für einen Mittelklassewagen ausgeben.

Industrie 4.0-Netzwerke

Nüchtern betrachtet kämpfen viele Unternehmen noch an der Umsetzung von Industrie 3.0. Aber es wird! Zumal die Vorreiter – die großen Konzerne – Druck auf ihre Zulieferer ausüben. Neben durchgängigen Wertschöpfungsketten mit einer höheren Wirtschaftlichkeit sprechen weitere gewichtige Gründe für die zunehmende Digitalisierung: zum Beispiel der Trend zur Nutzung von Einkaufsportalen, die komplexe Informations- und Logistik-Architekturen voraussetzen. Oder die sinkenden Losgrößen, die immer segmentierter Märkte bedienen.

Die Blockchain

Sie wird sämtliche Dokumentationsprozesse verändern – vom Katasteramt bis hin zum Nachweis einer durchgehenden Kühlkette. Das wird aber noch dauern: Schätzungen zufolge mindestens zehn Jahre.

Block|chain: eine beliebig erweiter­bare Kette von Daten­sätzen. Diese können beliebige Informationen über zum Beispiel Eigentumsrechte oder Transaktionen beinhal­ten. Da die Chain allen Beteiligten vorliegt, würden Fälschungen sofort auffallen.

2. DEFINITIONEN
GAR NICHT, EIN BISSCHEN UND GANZ
In|kre|men|tel|le In|no|va|ti|on: die kontinuierliche Weiterentwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Im besten Fall entwickelt sich daraus im Laufe der Zeit eine Marktführerschaft.
Disruptionen grenzen sich von kontinuierlichen Innovationen ab. Diese orientieren sich an der Weiterentwicklung bestehender Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse, um zum Beispiel Kundennutzen, Wirtschaftlichkeit und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Disruptionen stellen bestehende Märkte dagegen grundlegend in Frage und zerstören sie im Erfolgsfall. Das Gegenteil ist Sustaining: das Bewahren von Erfolgsmodellen. Auch das kann funktionieren. Das wohl älteste deutsche Markenprodukt „Eau de Cologne“ wird seit über 300 Jahren nach der unveränderten Originalrezeptur hergestellt. Immerhin gut 150 Jahre alt ist Bullrich-Salz, über hundert Jahre Coca-Cola.
„Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie brauchen, hätten sie geantwortet: ‚Bessere Pferde.‘ “
Henry Ford
„If you’re not failing every now and again, it’s a sign you’re not doing anything very innovative.“
Woody Allen
Über
Michael Kimmig
Vice President Business Development GRENKE AG und Geschäftsführer der GRENKE digital GmbH
Michael Kimmig ist seit 15 Jahren bei Grenke aktiv. Er ist 42 Jahre alt, verheiratet und stolzer Vater von zwei Söhnen – zwei und fünf Jahre alt. Als Vice President Business Development GRENKE AG und Geschäftsführer der GRENKE digital GmbH führt er aktuell 20 Menschen in der GRENKE digital. Privat hängen die Handballschuhe des ehemals passionierten Spielers schon am Nagel, seine Leidenschaft gilt nun den Kindern. In Mußestunden beschäftigt er sich mit mittelalterlicher Geschichte und geht mit Frau und Freunden auch gerne gut essen.

4. INTERVIEW MIT MICHAEL KIMMIG

„WIR DEFINIEREN KEINEN FÜNFJAHRESPLAN, WIR LÖSEN KUNDENPROBLEME.“

Herr Kimmig, wie disruptiv ist Grenke?

Grenke ist nicht grundsätzlich disruptiv. Aber wir verwenden durchaus disruptive Methoden, um Prozesse zu optimieren. Der Nutzen für unsere Kunden steht dabei immer im Vordergrund. Ein Beispiel: Unser Ziel ist es, dass ein Händler ohne großen Aufwand und von überall aus eine Anfrage an uns senden kann – und das in weniger als 60 Sekunden. Also haben wir eine App entwickelt, mit der er die notwendigen Dokumente fotografieren und mit wenigen Klicks an uns senden kann. Die App wurde in Zusammenarbeit mit unserer Niederlassung in Bremen ausgerollt und anhand des direkten Kundenfeedbacks weiterentwickelt. Die Reaktionen von Kunden und Mitarbeitern sind überaus positiv. So entstehen völlig neue Ideen. Ein weiteres Beispiel für einen radikaleren Ansatz ist unser Projekt Robotic Process Automation (RPA). In diesem Rahmen übernehmen Maschinen automatisierbare Arbeiten. Computer können zum Beispiel sehr gut Excel-Tabellen abtippen, versagen aber bei komplexeren Geschäftsentscheidungen.

Was bedeutet das für die Arbeitswelt? Was wird sich durch RPA verändern?

Meiner Meinung nach kann RPA die Welt der Dienstleistungen und die Arbeitswelt fundamental verändern, weil sich repetitive Tätigkeiten automatisieren und Kostenstrukturen deutlich reduzieren lassen, ohne dass der Kunde dabei an Service verliert. Unsere Mitarbeiter haben dann mehr Zeit für die qualitative Arbeit mit dem Kunden, weil Routineaufgaben wegfallen. Aber es gilt: Wir planen unsere Digitalisierung nicht vom Ende her. Wer die Markt- und Kostenführerschaft behalten will, muss sich ständig weiterentwickeln. Wir definieren keinen Fünfjahresplan, wir lösen Kundenprobleme. Dabei identifizieren wir Herausforderungen, entwickeln ein Prozessverständnis, sprechen mit allen Marktteilnehmern und gehen dann an die Lösung der gestellten Aufgabe.

Wo liegen für Sie die Grenzen der Digitalisierung?

Sicherlich werden sich viele Tätigkeiten und persönliche Interaktionen digitalisieren lassen. Jeder Trend ruft langfristig aber auch einen Gegentrend hervor. Und genau da sehe ich die Grenzen. Denn die Anforderung, Kunden persönlich und auf Augenhöhe zu begegnen, wird es noch lange geben. Unsere Präsenz vor Ort in der Nähe der Kunden ist ja nicht nur eine Frage des persönlichen Miteinanders, sondern auch eine zugunsten schneller Entscheidungen. Insbesondere bei Fragen, bei denen sich kein Roboter programmieren lässt. Und dabei soll es auch bleiben.

5. DISRUPTIVE GESCHÄFTSMODELLE: DIE SECHS-KLASSEN-GESELLSCHAFT

Das Freemium Modell: Rechnung folgt

Die Basisleistungen sind kostenlos – quasi der Köder für den Einstieg. Wer mehr will, muss mehr zahlen. So wie bei Xing oder Spotify.

Der Marktplatz: Klick und kauf

Hier schafft der Anbieter „nur“ eine Plattform, auf der sich Anbieter und Kunde selber einigen. Beispiele dafür sind Uber und Amazon.

Sharing: clevere Nutzer statt stolze Besitzer

Carsharing ist eine Erfolgsgeschichte. Der größte deutsche Anbieter ist Share Now  mit rund 3.000.000 Kunden, die in 26 städtischen Gebieten (in 14 Ländern) und in mehr als 20.000 Fahrzeugen unterwegs sind.

Premium-Experience: nur vom Feinsten

Ein austauschbares Produkt wird durch Markennimbus und Produktpräsentation zum Kundenerlebnis. Tesla und Apple machen es vor.

On demand: kommt mir entgegen

Für Kunden mit Geld, aber ohne Zeit: zum Beispiel Persil. Der Waschmittelhersteller bietet jetzt einen Waschservice inklusive Abholung und Lieferung: geschickt-gereinigt.de

Service as a Service: zeitversetzter Gewinn

Niemand kennt die CNC-Maschine besser als der Hersteller. Deshalb machen im Industrie 4.0-Umfeld Integrations- und Service- Angebote bereits zwei Drittel der Maschinenbau-Umsätze aus.

Er|folgs|fak|tor Ge|schäfts|mo|del|le-Mix: Häufig kombinieren Unternehmen unterschied­liche Geschäftsmodelle und setzen einen Mix für verschiedene Zielgruppen ein.

Über
Michael Kimmig
Vice President Business Development GRENKE AG und Geschäftsführer der GRENKE digital GmbH
Michael Kimmig ist seit 15 Jahren bei Grenke aktiv. Er ist 42 Jahre alt, verheiratet und stolzer Vater von zwei Söhnen – zwei und fünf Jahre alt. Als Vice President Business Development GRENKE AG und Geschäftsführer der GRENKE digital GmbH führt er aktuell 20 Menschen in der GRENKE digital. Privat hängen die Handballschuhe des ehemals passionierten Spielers schon am Nagel, seine Leidenschaft gilt nun den Kindern. In Mußestunden beschäftigt er sich mit mittelalterlicher Geschichte und geht mit Frau und Freunden auch gerne gut essen.
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